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die liebenden in der untergrundbahn

:tardieu:
die liebenden in der untergrundbahn

Ein junges Paar lernt sich in der Pariser Metro kennen und lieben. Doch kaum ist die Liebe entflammt, gilt es auch schon Hindernisse zu überwinden. So gibt es permanent Verständigungsschwierigkeiten - und dies nicht nur zwischen IHM und IHR, nein, alle Fahrgäste scheinen entweder aneinander vorbeizurennen oder aneinander vorbeizureden oder beides.
Das Stück des französischen Autors ist Anfang der 50er Jahre im Zuge der Etablierung des Theaters des Absurden entstanden. Jean Tardieu wurde 1903 in Saint-Germain de Joux geboren. Er verfaßte etliche Einakter, Gedichte und Versdramen, in denen die Strömung des sogenannten Lettrisme deutlich wird.


Es spielten
Meike Burgard, Lena Reinhold, Heidi Varin, Daniela Voss, Dominique Wendler und Julián Bustamante

Regie                        
Sebastian Zett

Premiere war am 1o. Dezember 2oo5 in der Popelbühne Berlin.
Teilnahme am 1oo GRAD-Festival 2oo6 im HAU 1.

Das Ensemble der Fortgeschrittenen 2oo5
existiert seit November 2004. Alle Mitspieler haben bereits Theatererfahrung, einige von ihnen standen auch schon in Berliner Off-Theatern (wie etwa dem Theaterdiscounter) auf der Bühne. Ein Teil des Ensembles war auch in Ibsens „Borkman“ zu sehen, der ersten lux-Produktion. Nachdem im Winter neben Körper- und Stimmarbeit Improvisationstheater à la Johnstone wesentlicher Bestandteil des Unterrichtes war, entschied sich die Gruppe im Frühjahr dafür, wieder ein Stück auf die Bühne zu bringen. So kam es zu den „Liebenden in der Untergrundbahn“.

Die Liebenden in der Untergrundbahn
ist in einem Zeitraum von etwa sechs Monaten entstanden. Die Probenphase begann mit einem Stückauswahl-Wochenende und fand ihren Höhepunkt in der Probenfahrt ins brandenburgische Dörfchen Zernikow kurz vor der Premiere im Dezember 2005.
Die Entscheidung für Tardieu war nicht zuletzt dadurch begründet, dass die meisten Mitspieler unbedingt einmal etwas komisches spielen wollten, nachdem sie sich schon im Drama (teilweise mehrfach) ausprobiert hatten. Und trotz aller Schwierigkeiten, die eine Komödie in sich birgt, ist es der Gruppe hervorragend gelungen, das Stück umzusetzen; allein, dass alle 23 Rollen der „Ballettkomödie ohne Tanz und Musik“, wie Tardieu sein Werk nennt, von den nur sechs Darstellern gespielt wurden, zeugte von deren enormer Spielfreude.

Zur Inszenierung
Kernstück der Inszenierung war die Schaufensterpuppe Georgette. Sie stand in der Bühnenmitte und wurde von dort auch nicht wegbewegt. Nachdem sich die Spieler anfangs hinter der Puppe positioniert hatten, um dann geisterhaft hinter ihr hervorzukommen, fanden sie ihren Platz im Raum und begannen erst roboterhafte, später zuckende Bewegungen. Das gesamte Intro endete mit einem "Zurückbleiben!" und das Stück begann.
Tardieu selbst teilt das Stück in zwei Akte: während der erste Akt auf dem U-Bahnhof spielt, wo sich das Liebespaar im Menschengewimmel findet und verliert, miteinander spielt und diskutiert, spielt der zweite Akt komplett im U-Bahn-Wagen. Nach einem Streit trennt sich die Liebende von ihrer neuen Flamme und das Paar findet sich kurze Zeit später im selben U-Bahn-Wagen wieder, wenn auch an unterschiedlichen Enden. Den gesamten Akt lang versucht nun der Jüngling zu seiner Geliebten zu kommen; da es aber sehr voll ist, muß er stets die neben ihm stehende Person in ein Gespräch verwickeln, um anschließend den Platz mit ihr tauschen zu können...
Wir haben natürlich völlig auf Ausstattung a la "Linie 1" verzichet und den U-Bahn-Wagen einfach dadurch gekennzeichnet, dass alle Passanten nebeneinander stehen, in der Mitte Georgette, die Puppe. Auch mit ihr hat der Liebende ein Intermezzo, das in einem kleinen Kampf endet...
Das ganze Stück dauerte nur sechzig Minuten. Besonders war, dass während der gesamten Spieldauer Musik im Hintergrund lief, die das Tempo antrieb und damit auch die Dringlichkeit der Situation signalisierte.

Fotos

>von den Proben

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